Harald Glööckler früher war alles andere als der strassbesetzte Glamour-König, den man heute kennt: Der 1965 in Zaisersweiher bei Maulbronn geborene Harald Glöckler wuchs in einem von Gewalt geprägten Elternhaus auf, bevor er sich über eine Modeausbildung und eine kleine Boutique in Stuttgart zum international bekannten Designer hocharbeitete. Wer den Weg von der Kindheit im Schwarzwald-Vorland bis zur Kunstfigur Pompöös nachzeichnet, versteht erst, warum der heute 61-Jährige seinen Glanz so bewusst inszeniert.
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Kindheit und Jugend: Der Ursprung von Harald Glööckler früher
Ein Zuhause zwischen Gasthaus und Gewalt
Die Eltern des späteren Designers führten ein Gasthaus in der badischen Provinz, Harald wuchs dort gemeinsam mit einem zwei Jahre jüngeren Bruder auf. Nach außen wirkte das Familienleben bürgerlich, im Inneren herrschte jedoch ein anderes Klima: Der Vater galt als gewalttätig und alkoholabhängig, und genau dieses Klima sollte die gesamte Jugend des Jungen überschatten.
In einem Interview mit dem SPIEGEL berichtete er 2018 offen, im Alter von fünf oder sechs Jahren von einem Bekannten der Familie sexuell missbraucht worden zu sein. „Ich musste das verdrängen. Sonst wäre ich verrückt geworden“, sagte er dazu. Über das Erlebte sprach er über Jahrzehnte hinweg mit niemandem – die instabile Situation zu Hause ließ dafür keinen Raum.
Der Tod der Mutter und der Bruch mit dem Vater
Mit 19 Jahren verlor er seine Mutter: Sie starb nach einem Sturz auf einer Treppe, offiziell als Unfall eingestuft. Glööckler selbst ist überzeugt, dass sein Vater für den Sturz verantwortlich war. Von diesem Moment an sprach er kein Wort mehr mit ihm – bis zu dessen Tod 1992, dreizehn Jahre später. Diese doppelte Erfahrung aus Verlust und Schweigen prägt bis heute, wie er über seine eigene Geschichte spricht.
Gleichzeitig zeigte sich schon in jungen Jahren eine ganz andere Seite: Nach Angaben seiner offiziellen Biografie entwarf und nähte der Jugendliche bereits Abendkleider für Bekannte, lange bevor an eine Karriere in der Modebranche zu denken war. Die schwierige Kindheit wurde so, fast trotzig, zum Nährboden für eine schillernde Fantasiewelt.
Die ersten Schritte in die Modewelt
Ausbildung bei einem Herrenausstatter
Statt eines geradlinigen Modestudiums stand am Anfang eine klassische Ausbildung in einem Modehaus, anschließend arbeitete der junge Glöckler bei einem Herrenausstatter. Diese Stationen vermittelten ihm das Handwerk, aber kaum die Extravaganz, für die er später bekannt werden sollte.
1987: Die Geburt von „Jeans Garden“
Der eigentliche Startschuss fiel 1987 in Stuttgart: Zusammen mit seinem langjährigen Lebens- und Geschäftspartner Dieter Schroth eröffnete er eine erste kleine Boutique namens „Jeans Garden“. Nur kurze Zeit später wurde der Laden umbenannt – in Pompöös, jenen Namen, der bis heute sein gesamtes Markenuniversum trägt.
Vom Ladenbesitzer zum Markenpionier: Timeline eines Aufstiegs
Die folgende Übersicht zeigt, wie sich aus einer kleinen Stuttgarter Boutique innerhalb weniger Jahre eine bundesweit bekannte Marke entwickelte:
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1965 | Geboren als Harald Glöckler in Zaisersweiher (heute Maulbronn) |
| 1987 | Eröffnung der Boutique „Jeans Garden“ mit Dieter Schroth, spätere Umbenennung in „Pompöös“ |
| 1990 | Gründung des Modelabels Pompöös gemeinsam mit Dieter Schroth |
| ab 1995 | Bundesweite Bekanntheit durch zahlreiche Shopping-TV-Auftritte |
| 2010–2011 | Jurymitglied bei „Let’s Dance“ |
| 2012 | Doku „Harald Glööckler zieht um“ und Doku-Soap „Glööckler, Glanz und Gloria“ |
| 2024 | Veröffentlichung der Autobiografie „Desaströös bis POMPÖÖS“ |
| 2025 | Feiert seinen 60. Geburtstag |
Aus dem Label wuchs mit der Zeit weit mehr als nur Mode: Glööckler gestaltet heute Schmuck, Lampen, Tapeten und Bodenbeläge, betätigt sich als Maler und Bildhauer und trat sogar als Redner in Kirchen auf – etwa vor 600 Besuchern in einem Kino nahe Frankfurt.
Der Weg ins Fernsehen: Wie aus dem Boutiquenbesitzer ein TV-Gesicht wurde
Den entscheidenden Bekanntheitsschub brachten nicht die ersten Kollektionen, sondern der Bildschirm. Ab 1995 zeigte sich der gebürtige Baden-Württemberger regelmäßig in Shopping-TV-Formaten und baute sich so, Auftritt für Auftritt, ein bundesweites Publikum auf. Sein schlagfertiger Auftritt und sein unverkennbares Äußeres machten ihn später auch als Jurymitglied bei „Let’s Dance“ populär.
Mit dem Umzugsdoku-Format über seinen Wechsel von Berlin-Charlottenburg nach Berlin-Mitte etablierte er sich endgültig als feste TV-Größe, gefolgt von der Doku-Soap „Glööckler, Glanz und Gloria“ im selben Jahr. Heute sitzt er außerdem in der Jury der Sport1-Show „My Style Rocks“.
Warum die frühen Jahre bis heute nachwirken
Wer die Biografie kennt, versteht die Kunstfigur besser: Krone, Glitzer und die permanente Selbstinszenierung wirken wie ein bewusster Gegenentwurf zu einer Kindheit ohne Sicherheit. Im Juni 2024 stellte er seine Autobiografie „Desaströös bis POMPÖÖS“ bei Dussmann in Berlin persönlich vor und sprach dort ausführlich über die dreißig Jahre zwischen Absturz und Glamour. Zuletzt beschrieb er in seiner Doku-Soap „Herr Glööckler sucht das Glück“, wie sehr ihn seine eigene Hypersensibilität bis heute begleitet.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie hieß Harald Glööckler mit richtigem Namen?
Sein bürgerlicher Name lautet Harald Glöckler; die Schreibweise „Glööckler“ ist ein bewusst gewähltes Markenzeichen aus seiner Zeit als Designer.
Wo ist Harald Glööckler aufgewachsen?
Er wurde am 30. Mai 1965 in Zaisersweiher geboren, einem Ortsteil von Maulbronn in Baden-Württemberg, und wuchs dort im Gasthaus seiner Eltern auf.
Wie hat Harald Glööckler früher seine Karriere begonnen?
Nach einer Ausbildung im Modebereich und einer Station bei einem Herrenausstatter eröffnete er 1987 mit Dieter Schroth die Boutique „Jeans Garden“ in Stuttgart, aus der später das Label Pompöös entstand.
Warum spricht Harald Glööckler öffentlich über seine schwere Kindheit?
In Interviews und seiner Autobiografie „Desaströös bis POMPÖÖS“ erklärt er, dass er seine traumatischen Erfahrungen lange verdrängt hat und seine schillernde Bühnenfigur auch als Gegenpol zu dieser Zeit versteht.
Mehr lesen: Ralf Dammasch

