Constantin Schreiber ist der deutsche Journalist und Autor, der von 2017 bis Mai 2025 als Sprecher der ARD-„Tagesschau“ durch deutsche Wohnzimmer flimmerte und davor als Nahost-Korrespondent, n-tv-Moderator und Undercover-Reporter in Moscheen für Schlagzeilen sorgte. Geboren 1979 in Cuxhaven, spricht er fließend Arabisch, wurde 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet und hat sich parallel zur Nachrichtenkarriere als Sachbuchautor und inzwischen auch als Krimischriftsteller etabliert.

Wer den distinguierten Mann im Anzug nur aus der 20-Uhr-Ausgabe kennt, kriegt von seiner eigentlichen Biografie meist wenig mit. Dahinter steckt ein Werdegang, der über Beirut, Dubai und das Auswärtige Amt führte, bevor an ein Nachrichtenstudio überhaupt zu denken war.

Constantin Schreiber: Die Anfänge zwischen Cuxhaven und Syrien

Zur Welt kam er am 14. Juni 1979 in Cuxhaven, seine Jugend verbrachte er größtenteils in Wilhelmshaven. Den entscheidenden Impuls für seinen späteren Werdegang lieferte allerdings kein deutscher Klassenraum, sondern ein längerer Aufenthalt in Syrien, wo er sich als Teenager die arabische Sprache selbst aneignete – eine Fähigkeit, die zwei Jahrzehnte später zu seinem beruflichen Markenzeichen werden sollte.

Vier Jahre Jura, dann der Sprung ins Ausland

Nach dem Abitur schrieb er sich für ein Jurastudium ein, das sich über vier Jahre zog. Statt in eine Kanzlei führte der Weg danach jedoch nach Beirut: Zwischen 2006 und 2007 arbeitete er für die libanesische Tageszeitung „The Daily Star“, direkt an einem der bewegtesten Krisenherde der Region.

Stationen einer internationalen Karriere: Dubai, das Auswärtige Amt und n-tv

Über ein Volontariat bei der Deutschen Welle gelangte er als Korrespondent nach Dubai, wo er unter anderem die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer ihrer ersten Nahost-Reisen begleitete. Ein Reuters-Stipendium ermöglichte ihm zudem ein Zwischenspiel an der Universität Oxford. Von 2009 bis 2011 wechselte er die Seiten und arbeitete als Medienreferent für den Nahen Osten im Auswärtigen Amt, bevor er 2012 zu n-tv kam und dort bis 2017 als Moderator und Chef vom Dienst tätig war.

Marhaba und der Grimme-Preis

Den medialen Durchbruch brachte die deutsch-arabische n-tv-Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“, in der er zwischen 2015 und 2016 arabischsprachigen Geflüchteten Deutschland erklärte – und umgekehrt deutschen Zuschauern die Perspektive der Neuankömmlinge näherbrachte. Für dieses Format erhielt er 2016 den Grimme-Preis, die renommierteste Auszeichnung des deutschen Fernsehens.

Die Moschee-Recherche, die eine Debatte auslöste

Im selben Jahr veröffentlichte er mit „Inside Islam“ ein Buch, das auf monatelangen Undercover-Recherchen in deutschen Moscheen beruhte. Mitschnitte von Predigten, in denen laut seiner Auswertung zu Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und einem Kalifat aufgerufen wurde, sorgten für hitzige Debatten über Integration und islamistische Einflüsse in Gebetshäusern – und für scharfe Kritik von Seiten, die ihm eine selektive Auswahl der Aufnahmen vorwarfen. 2018 legte er mit „Kinderkalifat“ nach, einem Buch über den Koranunterricht für Kinder in deutschen Moscheen.

Constantin Schreiber bei der Tagesschau: Vom Nachtmagazin zur Hauptausgabe

2017 wechselte er zu ARD-aktuell und übernahm zunächst Ausgaben der „Tagesschau“, des „Nachtmagazins“ und der Nachrichten bei tagesschau24. Ab Januar 2021 sprach er zusätzlich die stark beachtete 20-Uhr-Hauptausgabe – ein Slot, den täglich mehrere Millionen Menschen einschalten. Diese Rolle behielt er bis zu seinem Abschied im Mai 2025.

ZeitraumStation
1979Geboren in Cuxhaven, Jugend in Wilhelmshaven
2006–2007Reporter für „The Daily Star“ in Beirut
2009–2011Medienreferent im Auswärtigen Amt, Begleitung von Angela Merkel im Nahen Osten
2012–2017Moderator und Chef vom Dienst bei n-tv
2016Grimme-Preis für „Marhaba“; Buch „Inside Islam“
2017Wechsel zur ARD-aktuell, Sprecher von Tagesschau und Nachtmagazin
2019Gründung der Deutschen Toleranzstiftung
2021–2025Sprecher der Tagesschau-Hauptausgabe um 20 Uhr
2023Spiegel-Bestseller „Glück im Unglück“
Mai 2025Abschied von der Tagesschau
2024–2025Debattenbuch „Lasst uns offen reden!“ und Krimi „Echnatons Fluch“

Warum er die Tagesschau verließ

Über die genauen Hintergründe seines Abschieds im Mai 2025 hält er sich bedeckt. Fest steht: Nach acht Jahren als Gesicht der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes zog er sich aus dem Tagesgeschäft von ARD-aktuell zurück, um sich stärker seinen Büchern und öffentlichen Auftritten zu widmen.

Bücher, Bestseller und der Sprung zum Kriminalroman

Neben den islamkritischen Sachbüchern hat er sich zunehmend als Autor mit breiterem Themenspektrum positioniert. 2023 landete er mit „Glück im Unglück: Wie ich trotz schlechter Nachrichten optimistisch bleibe“ auf der Spiegel-Bestsellerliste, ein Jahr später folgte das Debattenbuch „Lasst uns offen reden!“. 2025 wagte er mit „Echnatons Fluch“ schließlich den Genrewechsel zum Krimi, erschienen wie seine übrigen Titel bei Hoffmann und Campe.

Nicht jedes Buch kam gleich gut an: Sein 2022 erschienener Dubai-Reiseführer wurde von Medienkritikern als unkritisch gegenüber dem Golfstaat eingeordnet, in dem er selbst früher als Korrespondent gearbeitet hatte. Der Vorwurf: zu viel Faszination, zu wenig journalistische Distanz zu einem Land, das er aus eigener Erfahrung eigentlich genau kennt.

Die Deutsche Toleranzstiftung

2019 gründete er die Deutsche Toleranzstiftung, über die er sich seither für interkulturellen Austausch engagiert – eine konsequente Fortsetzung seiner journalistischen Arbeit an der Schnittstelle zwischen deutscher und arabischer Kultur.

Privatleben: Zurückhaltung trotz Prominenz

Über sein Familienleben spricht er kaum öffentlich. Bekannt ist, dass er verheiratet ist, eine Tochter hat und mit seiner Familie in Berlin lebt. Neben Deutsch und Arabisch spricht er auch fließend Spanisch – Sprachkenntnisse, die ihn über die Jahre in Beirut, Dubai und Oxford immer wieder von Kollegen unterschieden haben.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Warum hat Constantin Schreiber die Tagesschau verlassen?

Er zog sich im Mai 2025 nach acht Jahren als Sprecher aus dem Tagesgeschäft von ARD-aktuell zurück, ohne die Gründe im Detail öffentlich zu machen, und widmet sich seither verstärkt seiner Arbeit als Buchautor.

Wofür wurde Constantin Schreiber mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet?

Den Grimme-Preis erhielt er 2016 für die deutsch-arabische n-tv-Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“, in der er Geflüchteten das Leben in Deutschland erklärte.

Welche Bücher hat Constantin Schreiber geschrieben?

Zu seinen bekanntesten Titeln zählen die Moschee-Recherchen „Inside Islam“ und „Kinderkalifat“, der Spiegel-Bestseller „Glück im Unglück“, das Debattenbuch „Lasst uns offen reden!“ sowie der 2025 erschienene Kriminalroman „Echnatons Fluch“.

Spricht Constantin Schreiber wirklich fließend Arabisch?

Ja, er brachte sich die Sprache als Teenager während eines Aufenthalts in Syrien selbst bei und nutzte sie später beruflich als Korrespondent in Dubai und als Moderator der Sendung „Marhaba“.

Mehr lesen: Elisabeth Lanz